Hattie für die PUB - AIR - TÊTE

5. Januar 2010

…………………….. für die Eltern ………………

Abgelegt unter: Allgemein — heinz.bayer @ 00:24

Liebe sich viele Gedanken machende Mutter, lieber pädagogisch viel diskutierender Vater eines männlichen Heranwachsenden.

Da Sie es sein werden, die sich zuerst für diesen Blog eines gymnasialen Schulmeisters mit 30 Jahren Schülerberatung auf dem Buckel interessieren werden. Weil das Wort „Schulische Leistungen“ häufig Ihre Nackenhaare aufstellen lassen und das Familienklima auf unter Null absenken, hier ein kurzes Vorwort in dem Blog für Ihren Sohn - nur für Sie.
Erziehung ist heute für viele Eltern ein sehr ernsthaftes Geschäft geworden. Immerhin geht es um viel. Um nicht weniger als um die Zukunft Ihres Sohnes. Wenn Sie nur einen haben, dann um die Zukunft Ihres einzigen Sohnes. Ihnen ist natürlich klar, dass seine Zukunft eng mit seiner schulischen Bildung verknüpft ist. Ihm ist das sicher nicht so klar. Hätte die Natur die Pubertät ins Rentenalter gelegt, wäre diese Frage für Ihren Sohn leichter zu beantworten. Nun muss er das Kunststück fertigbringen, sich trotz Vorpubertät, Pubertät oder Nachpubertät bis zum Abitur im Feld dieser schulisch immer stärker werdenden jungen Frauen zu behaupten. Sollten Sie noch eine Tochter unter Ihrer Obhut haben, dann wissen Sie, wovon ich spreche.
Es gibt inzwischen so viele Ideen für Elternberatung, für Lehrerfortbildungen, für Schulentwicklung … aber die Jungen bleiben trotzdem immer mehr auf der Strecke. Diesen Blog schreibe ich deshalb auch nur für die Jungs selbst, nicht für Sie als Erziehenden. Diesen Blog kann nur er selbst reflektieren. Es entsteht aus 30 Jahren Erfahrung eines Studiendirektors, dessen Spezialgebiet es immer war, mit aktiven Jugendlichen kreative Projekte zu entwerfen und der seit vielen Jahren mit dem eigentlich ganz „einfachen“ Ansatz „selbst aktiv werden“ auch im normalen Schulalltag viele verblüffende Erfahrungen gemacht hat: Wenn so ein junger kluger Kopf den Schalter wirklich umlegen will, dann kann er das. Von heute auf morgen. Er muss „nur“ wollen. Das ist der Knackpunkt. Vielleicht gehört ja Ihr Sohn genau zu denen, die beim Lesen dieses Blogs den Schalter umlegen können. Den Job als Schüler plötzlich ganz ernsthaft betreiben können. Es geht um Ernsthaftigkeit. Ohne die ist jedes Erziehungsprogramm nutzlos.
Denn das ist für mich als Praktiker der ganz wesentliche Unterschied zwischen Schülerinnen und Schülern: Die Schüler betreiben ihren Job einfach im Schnitt nicht so ernsthaft wie die Schülerinnen.
Könnte Ihr Sohn morgen auf Ernsthaftigkeit umschalten, dann ginge bei Ihnen in der Familie die Sonne auf und die Harmonie spielte Klavier in allen Räumen. :-) Auch er selbst würde die ungeheuere Kraft verspüren, die ihn ihm steckt.
Na ja. Ich übertreibe ein wenig. Aber es ist eben ein riesiger Unterschied im familiären Zusammenleben, ob die schulischen Leistungen im grünen Bereich liegen oder im roten.
Vielleicht kann dieser Blog Ihren Sohn zum kostengünstigsten und erfolgreichsten Nachhilfelehrer führen, den es für ihn gibt: Zu sich selbst.
Denn das ist das Erstaunliche bei all diesen vielen Ratgebern über Schulprobleme. Man vergisst meist, dass zukünftige Staatsanwälte oder Ingenieure sehr wohl selbst einen riesigen Beitrag für ihre Zukunft leisten können, wenn man sie wirklich dazu auffordert und sie diesen entscheidenden Betrag auch verstehen.
Ich versuche Ihnen einmal anhand einer Skizze zu erklären, wo die aktuelle Problematik liegt. Sie sehen den Diagnosebogen einer meiner früheren 6. Klassen unseres Gymnasiums - Baden-Württemberg - der letzte Abitursschnitt lag um 0,2 Notenpunkte über dem Landesschnitt. Also leistungsmäßig können wir uns sehen lassen.
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Ich hatte alle Fachkolleg/innen gebeten, für die einzelnen Schüler/innen zu punkten. a für hervorragend b für gut c für befriedigend und d für unzureichend. Diese Klasse ist gut zu unterrichten, die soziale Struktur stimmt innerhalb der Klasse, es wurde pädagogisch sehr intensiv gearbeitet - von fast allen Fachlehrer/innen wurde auf Eigenständigkeit sehr großen Wert gelegt. Und jetzt schauen Sie einmal auf die Ergebnisse.
(Hauptfächer zählten doppelt) Schwarz unterlegt sind die Schüler, weiß die Schülerinnen. Man sieht anhand der weniger d‘s: Eine gut aufgestellte Klasse. Die Noten stimmen. Trotzdem sieht man die Problematik der Jungs. Während das Auffassungsvermögen männlich/weiblich eine gute Durchmischung aufweist, sind die Jungs in alle anderen Bereiche, die am Ende über einen erfolgreiches Abitur entscheiden, schon in der 6. Klasse ins Hintertreffen geraten. „Ja, so sind halt Jungs“, wird so mancher einwenden. Und ich sage Ihnen: „So müssen Jungs überhaupt nicht sein. Jungs müssen nicht unkonzentrierter als Mädchen sein und sich unentwegt und ohne Not viel häufiger aus dem Lernprozess herauskatapultieren.“
„So sind eben Jungs“: Das ist ein schon lange existierender Irrtum, der zu Zeiten, als die Mädchen in der Schule noch nicht so selbstbewusst auf der Matte standen, noch nicht so ins Gewicht fiel. Heute ist dieser eingeschliffene Irrtum ein echter Nachteil für Männer geworden.
Liebe Eltern: Fordern Sie Ernsthaftigkeit von Ihrem Sohn der Schule gegenüber. Und übergeben Sie ihm selbst die Verantwortung. Der Trend 1/3 Abiturienten 2/3 Abiturientinnen, das ist indiskutabel. Da hat er seinen Beitrag zu leisten, dass dies nicht so bleibt. Nicht Sie, er ! Dass es für viele Jungs cooler ist, schlechte Noten zu haben, das ist das größte Eigentor, das an allen Schulen unentwegt geschossen wird.
Die Jungs müssen begreifen: Mit Eigentor schießen gewinnt man nicht.

Heinz Bayer

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