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24. November 2013

Gustav-Helene-Schule

Abgelegt unter: Gustav-Helene-Schule — heinz.bayer @ 22:34

LIEBE LESERINNEN UND LESER
Diese Seiten waren in der Vergangenheit für all jene gedacht, die im Gestrüpp der Schule festgefahren waren und die sich für Auswege interessierten. Auswege ohne Sitzenbleiben. Plus Selbstbewusstseinsaufbau. Begleitend zu unseren Unterstützungsprojekten, die das Flügelverleihteam in den letzten Jahren anbieten konnte. Die Ausrichtung dieser Seite gilt immer noch. Nur jetzt in einem anderen Kontext. Meine letzten beiden Jahre als Lehrer scheinen offensichtlich geprägt zu sein von Vollbremsung. So zumindest empfinde ich es selbst. Trauerarbeit irgendwie. Neue Zeit?
Vielleicht hier noch zur Vertiefung unser faust-aktuell zum Thema Streichungen.
Habe ich jahrelang an einer Lehranstalt unterrichtet, die als Vorzeigeanstalt galt, so habe ich nun das Gefühl, dass wir aktuell richtig demontiert werden. Rasenmäherprinzip und uns trifft es besonders böse. Wir haben protestiert. Hat man uns das übel genommen? Nun backen wir kleine Brötchen. Schlecht für jemand, der es immer gewöhnt war, große Brote zu backen.
Ich bleibe aber zumindest die nächsten zwei Jahre hier noch am Unterstützungsball. Was die Pensionierungszeit bringt, wird dann spannend. :-) Und ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich werde meine eigene kleine virtuelle Schule gründen, nur als kleine pädagogische Geschichte und ihr meinen eigenen Anstrich geben. Als Trost. Für mich und für einige meiner Schüler/innen. Und für alle, die sich einklinken wollen. Unterstützung kann vielfältig sein. Und man muss sich immer eine suchen, die zu einem passt. Meine passt für junge Menschen, die gerne schmökern und in der Lage sind, sich selbst helfen zu wollen. Und ich gebe allen Versetzungsgefährdeten die Idee mit auf den Weg, dass sie an meiner kleinen Schule die Probleme nicht hätten, die sie jetzt haben. In derAbsicht, dass dies das Selbstbewusstsein stärkt. Denn das ist unabhängig von Zeiten des Übersparens immer die zentrale Aussage, die ich treffen würde. Selbstbewusstsein und Ziele setzen. An Ideen festhalten. Das ist wesentlich.
Ich werde meine kleine Schule übrigens nicht mit Überlehrern besetzen, die in der Lage sind, ihre Schüler/innen Kraft Person zu fesseln und zu begeistern. Die gibt es an jeder Schule, aber zu meinen, nach der Aussage “auf den Lehrer kommt es an” müssten einfach nur alle Lehrer fesseln und begeistern, ist einfach realitätsfremd. Entspricht einer Ansicht, die man nur außerhalb der Schule entwickeln kann. Nicht in der Schule. Denn da lebt man mit der Normalität, die übrigens prinzipiell ziemlich gut ist. Lehrermäßig. Die junge Lehrergeneration. Chapeau. Aber die Strukturen passen nicht zum Anspruch.

Die Schule neu entwerfen
Heutige Schule wird dem Heute nicht mehr gerecht. Sagt mein Schulmeisterbauch mit 35 Jahren gymnasialer Schul-Erfahrung. Genau das wissen auch viele, die an Änderung denken und versuchen, Schule dem Heute entsprechend zurechtzurücken. Ich hoffe, dass die kommenden Schulplanungskommissionen erfolgreich sein werden, mit ihren neuen Ideen dem Heute wirklich näherzukommen. Da dieses Heute dem Morgen dient. Das ist ein mühsames Geschäft und ich bin froh, dass ich das nicht auf den Weg bringen muss. Verantwortlich. Dass ich mich nur für meine eigene kleine Welt am Faust zu verantworten habe. Und das auch nur mit den gesetzten Vorgaben “von oben”, die es uns ermöglichen oder auch nicht, gute Schule für einige Schüler/innen zu machen. Für ein paar, für die es passt. Für zu viele passt es überhaupt nicht. Da sind noch knapp zwei Jahre für einen Schulpraktiker. Und Zeit, sich eine eigene virtuelle Schule zusammen zu spinnen. Eine, die es allen recht machen kann. Nicht nur den 20%, für die Schule genau passt. Vielleicht sind es auch 30%. Aber viel mehr sicher nicht.
Da können nun die 70% am allerwenigsten dazu. Dass man das System noch nicht schnell genug angepasst hat. An das Heute. Ist ja auch verrückt, wie enorm sich das Heute zum Damals vor 35 Jahren verändert hat. Wissen Sie, ich bin Mathe- und Physiklehrer. Es gab noch keine Computer für die Schule, als ich eingestiegen bin. Und natürlich keine programmierbaren Taschenrechner. Ich habe vor 15 Jahren ein Projekt geleitet, in dem ein paar Schülerinnen ihre ersten Mails in die Welt geschickt haben. Komplett innovativ damals. Schulen ans Netz und wir hatten einen einzelnen Netzanschluss im vierten Obergeschoss. Kommunikation auf Französisch in die große Welt rausgeschrieben. Verrückt wie schnell sich die Zeiten ändern. Heute müssen unsere Netzwerkbetreuer 160 PCs betreuen. Und wir müssen unseren Schüler/innen Vorschriften machen, wie sie mit ihren Hochleistungscomputersmartphones umzugehen haben, die der absolute Großteil von ihnen benutzt wie ein zusätzliches natürliches Sinnesorgan.
Und dann stehst du da als komplett analoger 62jähriger Lehrer und versuchst, trotzdem noch die Faszination der physikalischen Grundlagen zu vermitteln und du merkst: Da muss was Neues her. Sie sind unschuldig. Wir brauchen sie, aber es geht nicht mehr so wie in früheren Zeiten. Weil sich die Zeiten geändert haben.
Ich werde es als Beratungsinstanz einmal ganz anders versuchen. Ich bin da immer sehr blauäugig. Auch wenn die heutige Schule nicht mehr dem Heute entspricht, werden Schüler, die es nicht mehr souverän schaffen, Schule zu machen, später einen guten Job absolvieren. Und sie werden wie in früheren Generationen dann erzählen, dass sie jetzt zwar ganz souverän im Job sind, aber in der Schule nichts auf die Reihe bekommen haben. Der Einfachheit halber nehme ich an, dass auch sie es auf die unfähigen Lehrer schieben werden. Weil sie ja gar nicht wissen können, dass die Lehrer in einem veralteten System unterrichten mussten. Deshalb erfinde ich jetzt ein leicht verändertes System und sage allen, die von mir Beratung wollen, weil sie Schulprobleme haben: “An meiner Schule hättet ihr keine Probleme, ob sie euch deshalb besser gefallen würde, sei einmal dahingestellt. Wenn ihr also meint, dass ihr zu doof seid, um Schule erfolgreich zu machen, dann träumt euch in meine virtuelle Schule und macht euch klar: Ihr könnt trotz Schulproblemen nach der Schule noch alles herumreißen und erfolgreich sein. Schulnoten sind nicht das Maß der Fähigkeiten, die in einem Menschen stecken. Alltagsaussage für die meisten Erwachsenen, die erfolgreich im Beruf stehen und beim Rückblick auf die Schule merken, dass man dort nicht erkennen konnte, was sie drauf haben.
Wer sich in meiner virtuellen Schule aufhält, wird merken, welche untergeordnete und doch wichtige Rolle Noten spielen können. Wer es in die aktuelle Schule übertragen kann, weil er das System durchschaut, kann umgehend auch schulisch viel erfolgreicher sein. Ihr könnt den Erfolg also auch schon gleich morgen machen. Wenn ihr blickt, wie ihr tickt.”
Meine virtuelle Schule ist als Science Fiction angelegt. Der mit den jetzigen Streichungen als Auslöser beginnt.
Aber die Gustav-Helene-Schule ist auch als echte Schule angelegt. Der Versuch, einmal auf ganz andere Weise die viel geforderte Individualisierung des Lehrens einmal selbst im Unterricht auszuprobieren. Machbar natürlich nur unter Bedingungen, dass ich ohne großen Aufbau Schüler/innengruppen von 3 Leuten zusammen an den Laptop setzen kann, um sie “unterrichten zu lassen.”
Die Khan-Academy lässt grüßen. :-)
Und eine letzte Bitte an meine Leserinnen und Leser. Haben Sie Geduld mit uns. Wir haben keine Ahnung, wo und wie schnell sich das Ganze hinbewegt.

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