Hattie für die PUB - AIR - TÊTE

9. Juli 2010

6. Flügelwoche oder Den Schalter umlegen

Abgelegt unter: Versetzungsgefährdet? — heinz.bayer @ 22:14

schalter
Ok. Sie müssten jetzt eigentlich Land sehen, wenn Sie in den letzten Wochen tatsächlich den Schalter umgelegt haben. Bei 90% ist es der verflixte Schalter. Bei 10 % Überforderung. Bei 90% also einfach der Schalter. Der irgendwie klemmt. Diesen Schalter, den man einfach nicht findet. Aber der sehr effektiv arbeiten lässt, wenn man ihn findet und umlegt. Diesen berühmten Schalter.
Bleiben Sie noch eine Woche dran. Nicht nachlassen. Bitte!!!!!!! Es sind oft die letzten Eindrücke, die beim Notengeben den Ausschlag geben. Zeugniskonferenz ist erst in einer Woche. Erst danach ist Entspannung angesagt. Ich weiß von was ich rede. Ich habe gerade acht Stunden Korrigieren und Noten machen hinter mir. Wenn Sie wüssten, wie schwierig das ist. Menschen benoten. Ein prinzipiell unmenschlicher Akt. Erleichterung danach wie in jedem Jahr. Aber auch immer die Gewissheit, dass es Noten sind und keine absoluten Wahrheiten über das Wissen und Können meiner Schüler. Gäbe es nur ein Mittel, das diese Fixierung auf Noten wegnehmen könnte, wie würde Schule doch einfach. Wenn Noten zwischen eins und drei bunte OK-Noten wären. Zum Beispiel grüne OK Noten, blaue OK Noten und gelbe OK Noten. Und klar wäre es schön, wenn man grüne OK Noten hätte, aber keiner würde sich darüber aufregen, wenn er auf grün-blau stehen würde und am Ende eben die blau-OK Note bekäme, weil man nur einfarbige Noten geben dürfte. Und weil man bei einem Stand von grün-blau würfeln würde und keinen würde das stören. Verstehen Sie, was ich meine. Diese aktuellen Noten sagen nichts über Ihre Fähigkeiten aus, die Sie in den nächsten Jahren entwickeln können. Sie sind nur ein aktueller Zwischenstand. Wenn Sie jetzt in den letzten Wochen aus einer Fünf eine Vier gemacht haben, dann ist das wunderbar. Von einigen von Ihnen habe ich das per Mail erfahren. Frohe Botschaften. Ich liebe diese Mails. „Habe in Mathe eine 4+ geschrieben. Und im nächsten Schuljahr könnte da auch einfach eine Zwei stehen. Wenn Sie den Schalter in der neuen Stellung halten können. Eine kleine Geschichte von vorgestern. Ich stehe am Kopierer. Ein junger Mann, 8.Klasse, fragt, ob ich ihm etwas für sein Referat kopieren könne. Ich denke noch: Der sieht irgendwie verändert aus. So entspannt und positiv. Weiß im Moment auch gar nicht, woher ich ihn kenne. Ich sage: “Ich drück dir die Daumen. Du machst das schon mit dem Referat.“ Er grinst. Ja, das glaube er auch, meint er. Pause. Er hätte doch im letzten Jahr dieses Projekt mitgemacht, meint er. Vom Standstreifen auf die Überholspur. Er meint unser Turboprojekt für Versetzungsgefährdete. Das, das Sie jetzt im Moment hoffentlich erfolgreich zu Ende bringen. Der junge Mann, der irgendwie verändert erscheint, holt tief Luft. Kurze Pause. „Ich bekomme jetzt einen Einserschnitt.“ Der junge Mann platzt beinah vor Stolz. Ich strahle ihn an. Ich platze auch beinah vor Stolz. Ich liebe doch solche Geschichten. Weil sie immer wieder funktionieren. Wenn man den Schalter findet und zu den 90% gehört. Ich gestehe, ich habe mir gleich das Jahrbuch geschnappt, den Namen herausgesucht und die zugehörigen Halbjahresnoten angeschaut. Und genossen, dass da einer vom Standstreifen der Versetzungsgefährdung auf den Überholstreifen gewechselt ist.

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