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2. Januar 2011

Ein kleiner Nachtrag zum Kalender

Abgelegt unter: Kalender — heinz.bayer @ 23:28

Lieber Männerrevolteblogleserin, lieber Revolteblogleser
Ich wollte nur kurz noch anmerken, dass die Idee des Kalenders nicht darin besteht, alles Kritisierbare auf dieser Welt relativ zu reden und damit aufzulösen. Frei nach dem Motto: In Indien geht’s den Kindern noch schlechter, also reg dich nicht über eine ungerechte Note auf. Der Kalender ist ein pädagogischer Trick-Kalender für bessere Noten. Ein Sich-besser-fühl-Kalender. Kein Problemverschleierungskalender. Ich finde Tricks in bestimmten Situationen legitim. Wenn ich sehe, dass sich jemand seine eigenen schlechten Karten selbst mischt, dann finde ich, darf man ihm sagen, wie er sie besser mischt, um mehr zu gewinnen. Wenn unser Gehirns schon so doof aufgebaut ist, dass es uns in der Schule oft eine echte Falle stellt. Da nimmt man sich an Silvester vor, im nächsten Jahr richtig gut im Unterricht aufzupassen. Also das Hirnareal, das für Intellekt und Verstand zuständig ist, nimmt sich das vor. Muss man dazu sagen. An Silvester, beim Anstoßen auf das neue Jahr, ist die Realität noch so weit weg und unser Verstand ist blendender Laune. Wenn dann die Realität in Form des Unterrichts anfängt, ist leider das limbische System, jenes Hirnareal, das nach einem wunderbaren Prinzip funktioniert – Lust maximieren, Schmerz minimieren – am Zug. Denn leider ist es mächtiger als das Verstandsareal. Wenn es unsere Gewohnheit ist, im Unterricht aufzupassen, dann ist der Vorsatz weiter aufzupassen, kein Problem. Denn jede Gewohnheit ist im Gehirn wie ein Trampelpfad angelegt, den man immer wieder benutzt. Wenn man die Angewohnheit hatte, im Unterricht eher weniger konzentriert aufzupassen, dann ist dieser Trampelpfad durch unser Verstandareal nicht so leicht zu verlegen. Auch wenn unser Verstand laut und deutlich sagt, dass man nicht sitzenbleiben will. Dass man keine Lust auf dreimal Nachhilfe die Woche hat. Das limbische System ruft aber mächtig wie es eben ist: „Aber bitte, wo bleibt da die Lust beim Aufpassen? Ohne Lust spiel ich da niemals mit.“ Deshalb muss man, so leid es einem für sein limbisches System tun mag, zu Tricks greifen, die es einem ermöglichen, ihm vorzuspielen, dass konzentriert aufpassen sehr lustvoll sein kann. Dazu muss es einem im Unterricht gut gehen. Dazu sollte man clever allen Gehirnregionen immer und immer wieder klar machen, dass man es eigentlich doch irgendwie richtig gut hat. Obwohl das limbische System dauernd behauptet, Schule wäre aber so was von doof. Immer und immer wieder. Wegen dem Trampelpfad. Du weißt schon. Immer und immer wieder heißt in diesem Fall Kalender. Als mein querschnittsgelähmter alter und enger Freund Pit, den ich bis zu seinem Tod neun Jahre lang nie habe jammern hören, einmal einen kleinen Jammer von mir mit einem „Findest du das schlimm?“ kommentiert hat, war mein Jammer schlagartig weg. Vielen Dank, mein Lieber, nicht nur für diesen Satz. Er hat mich oft geerdet. Klar. Ein Jammer hält sich schlecht, wenn er entzaubert wird. Wenn ihm sein hohes Niveau mit einem Spiegel gezeigt wird.
So will ich den Kalender verstanden wissen. Als Gefährte im Kampf gegen ein starkes limbisches System, das den falschen Trampelpfad benutzt. Nicht als Weichspüler für alle Probleme diese Welt.

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